Der 420er

Der 420er ist eine Zweimannjolle aus glasfaserverstärktem Kunststoff: 4,20 Meter lang, 1,63 Meter breit und mit einem Rumpf von rund 80 Kilogramm. Der Rundspantrumpf ist als Gleiter gebaut — bei genug Wind läuft das Boot auf der eigenen Bugwelle, statt sich durch sie hindurchzuschieben.

Das Rigg besteht aus einem 6,26 Meter hohen Mast und einem 2,50 Meter langen Baum. Wanten und Vorstag halten den Mast, Salinge geben ihm die Biegung, über die sich das Großsegel trimmen lässt. Am Wind stehen Großsegel und Fock, auf Raumkursen kommt der Spinnaker dazu: ein leichtes, bauchiges Segel, das der Vorschoter mit dem Spinnakerbaum so weit nach Luv stellt, dass es möglichst viel Wind fängt.

Gesegelt wird zu zweit, der Vorschoter im Trapez. Ideal liegt das Crewgewicht zwischen 110 und 130 Kilogramm. Bei viel Wind lebt die Geschwindigkeit davon, das Boot exakt aufrecht zu halten — nur dann kommt es sauber ins Gleiten.

Technische Daten

Angabe Wert
Länge 4,20 m
Breite 1,63 m
Tiefgang 0,20 m (ohne Schwert)
Gewicht rund 80 kg (Rumpf)
Masthöhe 6,26 m
Baumlänge 2,50 m
Segelfläche am Wind 10,25 m²
Spinnaker 9,00 m²
Rumpf Rundspantjolle, Gleiter, GFK
Besatzung 2 Personen, Vorschoter im Trapez
Crewgewicht 110–130 kg (erfahrungsgemäß ideal)

Steuermann

Steuert das Boot und fährt das Großsegel. Am Wind hält er das Boot an der Windkante und flach im Wasser; das Großsegel steht nur dann richtig, wenn es laufend geöffnet und wieder dichtgeholt wird. Auf Raumkursen setzt er den Spinnaker, bedient die Fock und übernimmt die Taktik.

Trimm: Baumniederholer, Spinnaker-Uphaul (Toppnant).

Vorschoter

Hält das Boot im Trapez aufrecht und fährt die Fock. Kommt eine Bö, öffnet er die Fock ein kleines Stück und zieht sie kurz danach wieder dicht — so fängt das Boot schneller an zu gleiten. Am Wind übernimmt er zusätzlich die Taktik, auf Raumkursen baumt er den Spinnakerbaum aus und fährt den Spinnaker.

Trimm: Unterliekstrecker, Cunningham (Vorliekstrecker), Fock-Cunningham.

Die Geschichte des 420ers

Seit 1960 wurden weltweit über 53.000 420er registriert. Das Gleitboot lässt sich von männlichen, weiblichen und gemischten Mannschaften gleich gut beherrschen.

1971 kamen Spinnaker und Trapez dazu, und der 420er wurde internationale Bootsklasse — seither ist er die Jolle, mit der die Jugend Regatta segelt.

Heute wird der 420er in fast jedem Segelland gefahren, entsprechend anspruchsvoll ist das Feld bei Welt- und Europameisterschaften. Segleraustausch-Programme reichen bis nach Australien. Wer dem 420er entwächst, steigt ohne Umweg in eine olympische Zweimannklasse wie den 470er um.

In Deutschland vertritt die UNIQUA rund 1.000 aktive Seglerinnen und Segler, koordiniert über 100 Ranglistenregatten pro Saison im In- und nahen Ausland und führt die deutsche Rangliste mit über 200 Seglern.

Warum Segeln ein Sport ist

Viele denken, Segeln heißt, auf einem Boot zu sitzen und sich vom Wind treiben zu lassen. Das machen nur die Sonntagssegler.

Im 420er braucht es bei wenig Wind Ruhe und Konzentration, bei viel Wind Kraft und Ausdauer. Kraft- und Ausdauertraining an Land gehört dazu, damit die Crew die oft anstrengenden Stunden auf dem Wasser körperlich und geistig durchhält. Ebenso wichtig ist das Training auf dem Wasser: die Abläufe an Bord müssen sitzen, sonst kentert eine Crew — und auch dann muss sie das Boot schnell wieder aufrichten können.

Dazu kommt der Kopf. Böen und Winddreher wollen früh erkannt und genutzt werden, bei wenig Wind zählt jede kleinste Drehung. Der taktische Plan wird an Bord laufend abgestimmt, und die Wettfahrtregeln müssen bei Startfeldern von bis zu 120 Booten sicher sitzen. Kraft, Ausdauer, Koordination und stundenlange Konzentration — dazu das sportlich faire Segeln, das gut trainierte 420er-Crews auszeichnet.

Vermessung und Klassenregeln

Der technische Obmann der UNIQUA Deutschland e. V. ist bei den Deutschen Meisterschaften, den Ausscheidungsregatten und beim Finale persönlich zur Vermessung vor Ort.

Konstruktive Verbesserungsvorschläge aus dem Segelalltag sind ausdrücklich erwünscht: Sie gehen von hier aus an die internationale Klassenvereinigung und an World Sailing weiter.

Jochen Borbet · Technischer Obmann
vermesser@uniqua.de · Steckbrief